Zusammenfassung

Für kleine B2B-Unternehmen in Deutschland, die einen KI-Vertriebsagenten erwägen: was der Agent per E-Mail, Telefon und LinkedIn senden darf, was Sie festhalten müssen und wo eine Person eingebunden bleiben muss.

Das erfahren Sie

  • Warum eine erste Werbe-E-Mail an ein Unternehmen in Deutschland eine Einwilligung braucht und wann Bestandskunden die Ausnahme sind
  • Wann ein Werbeanruf bei einem Unternehmen erlaubt ist und warum KI-Anrufe der riskanteste Kanal sind
  • Was die Nutzungsbedingungen von LinkedIn und das Recht für automatisierte Nachrichten bedeuten
  • Woher Kontaktdaten stammen dürfen und was die erste Nachricht sagen muss
  • Wie Widersprüche, Einwilligungsnachweise und der KI-Hinweis funktionieren müssen
  • Welche Schritte der Agent allein gehen darf und welche eine Person brauchen

In Deutschland ist eine Werbe-E-Mail an ein Unternehmen ohne dessen vorherige Einwilligung unzulässig, es sei denn, es ist bereits Ihr Kunde: § 7 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) gilt für jede E-Mail, nicht nur für solche an Verbraucher. Werbeanrufe bei Unternehmen brauchen mindestens eine mutmaßliche Einwilligung, und eine KI, die selbst anruft, kann als automatische Anrufmaschine gelten, die von allen eine ausdrückliche Einwilligung verlangt. Durchgesetzt wird das: Bei der Bundesnetzagentur gingen 2025 39.842 Beschwerden über unerlaubte Telefonwerbung ein, und sie verhängte Bußgelder von mehr als 1,09 Millionen Euro. Dieser Leitfaden zeigt Kanal für Kanal, was ein KI-Vertriebsagent senden darf, was Sie dokumentieren müssen, wie Widersprüche funktionieren müssen und welche Schritte eine Person freigeben sollte.

Ein KI-Vertriebsagent kann Unternehmen recherchieren, die richtige Ansprechperson finden, eine passende erste Nachricht schreiben und pünktlich nachfassen. In Deutschland liegt die harte Grenze nicht bei dem, was die KI kann. Sie liegt bei dem, was das deutsche Recht überhaupt jemandem zu senden erlaubt.

Dieser Leitfaden geht Kanal für Kanal vor: E-Mail, Telefon, KI-Anrufe und LinkedIn. Er behandelt, woher Kontaktdaten stammen dürfen, wie Widersprüche funktionieren müssen, was Sie dokumentieren müssen und welche Bußgelder drohen. Am Ende steht eine einfache Aufteilung: was der Agent allein tun darf und was eine Person freigeben sollte.

Ist Kaltakquise per E-Mail an Unternehmen in Deutschland erlaubt?

Nein, nicht ohne Einwilligung. § 7 Abs. 2 Nr. 2 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) wertet Werbung mit „elektronischer Post“ ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung des Adressaten als unzumutbare Belästigung, und die Regel gilt für jeden Adressaten, auch für Unternehmen.[1] Die deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden bestätigten im Februar 2022, dass E-Mail-Werbung außerhalb der Bestandskundenausnahme grundsätzlich eine Einwilligung braucht.[5]

In Deutschland ist E-Mail zwischen Unternehmen kein freies Feld. Das UWG spricht von „Marktteilnehmern“, und die E-Mail-Regel in Nr. 2 unterscheidet nicht zwischen Verbraucher und Unternehmen.[1] Die Telefonregel in Nr. 1 macht diesen Unterschied, deshalb werden die beiden Kanäle in der Praxis so unterschiedlich behandelt.

Der Datenschutz zeigt in dieselbe Richtung. Nach der DSGVO kann Direktwerbung „als eine einem berechtigten Interesse dienende Verarbeitung betrachtet werden“.[7] Die deutschen Behörden sagen aber: Wo § 7 UWG einen Kontaktweg verbietet, fehlt es bereits an einem berechtigten Interesse.[5] Wettbewerbsrecht und Datenschutzrecht schließen dieselbe Tür.

Was als Werbung zählt, ist weit gefasst. Eine freundliche Vorstellung Ihrer Leistungen, eine Einladung zu einem Webinar, das Ihr Produkt verkauft, eine E-Mail mit „kurzer Frage“, die in ein Angebot mündet: All das bewirbt Ihr Unternehmen. Der Ton der Nachricht ändert ihren Zweck nicht.

Ohne die Bestandskundenausnahme braucht eine Werbe-E-Mail in Deutschland eine vorherige Einwilligung, auch gegenüber Unternehmen (§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG). Ein KI-Agent, der Kaltakquise-E-Mails selbst schreibt und versendet, wiederholt den Verstoß mit jeder Nachricht.

Für einen KI-Agenten heißt das: Er darf Unternehmen finden und Nachrichten entwerfen. Er sollte keine erste Werbe-E-Mail an jemanden senden, der nicht zugestimmt hat, es sei denn, die Person ist Bestandskunde nach den Regeln im nächsten Abschnitt.

Wann dürfen Sie Bestandskunden per E-Mail anschreiben?

Sie dürfen Bestandskunden per E-Mail eigene ähnliche Produkte anbieten, wenn alle vier Bedingungen aus § 7 Abs. 3 UWG erfüllt sind. Sie haben die E-Mail-Adresse im Zusammenhang mit einem Verkauf erhalten, Sie werben für eigene ähnliche Waren oder Dienstleistungen, der Kunde hat nicht widersprochen, und Sie haben ihn bei der Erhebung und in jeder E-Mail klar darauf hingewiesen, dass er jederzeit ohne zusätzliche Kosten widersprechen kann.[1]

Alle vier Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein. Fehlt eine, entfällt die Ausnahme, und Sie brauchen wieder eine Einwilligung.

BedingungWas sie für Ihren Agenten bedeutet
Adresse aus einem VerkaufDer Kontakt hat bei Ihnen gekauft. Eine Visitenkarte von der Messe oder ein heruntergeladener Prospekt ist kein Verkauf.
Eigene ähnliche ProdukteDer Agent darf ein Folgeprodukt oder eine Folgeleistung anbieten, kein Partnerangebot und nichts Fremdes.
Kein WiderspruchWer sich abgemeldet hat, steht auf keiner Liste mehr, in keinem System, das der Agent nutzt.
Klarer Hinweis auf das WiderspruchsrechtBei der Erhebung und in jeder einzelnen E-Mail, mit funktionierender Abmeldung.

Die deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden ergänzen eine Nachweispflicht: Sie müssen belegen können, dass eine für Werbung genutzte Adresse wirklich zu einem Bestandskunden gehört.[5] Für einen KI-Agenten heißt das, dass die Kundenliste, mit der er arbeitet, eine Herkunftsspalte braucht. „Gekauft am 12. März, Bestellnummer“ ist ein Nachweis. „Aus einer alten Tabelle importiert“ ist keiner.

In dieser Ausnahme lohnt sich ein KI-Agent rechtlich. Persönliches Nachfassen bei früheren Käufern, Erinnerungen an Verlängerungen und Angebote passend zum letzten Kauf sind erlaubt, solange die Abmeldung funktioniert und die Liste sauber ist.

Darf Ihre Vertriebs-KI Unternehmen anrufen?

Nur mit mindestens mutmaßlicher Einwilligung. § 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG verlangt für Werbeanrufe bei Verbrauchern eine vorherige ausdrückliche Einwilligung und bei sonstigen Marktteilnehmern mindestens eine mutmaßliche.[1] Die deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden sagen unter Verweis auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs von 2006, dass ein bloßer Sachbezug nicht reicht: Nötig ist ein konkreter Grund aus dem Interessenbereich des Angerufenen, etwa ein geschäftlicher Vorkontakt.[5]

Die Hürde ist höher, als viele erwarten. Die Behörden nennen Beispiele, die nicht genügen: Werbung für Büroartikel, Telefon- oder Stromanbieter oder die entgeltliche Vermittlung von Aufträgen, nur weil das angerufene Unternehmen sie brauchen könnte.[5] Plausible Relevanz ist keine mutmaßliche Einwilligung.

Als konkreter Grund kann eine echte Verbindung zählen: Das Unternehmen hat an Ihrem Stand eine Frage gestellt, eine Führungskraft hat über Ihre Website einen Rückruf angefordert, oder Sie haben schon zusammengearbeitet, und der Anruf knüpft daran an. Der Grund muss vor dem Anruf bestehen, und jemand sollte ihn auf Nachfrage erklären können.

Anrufe bei Verbrauchern sind noch strenger geregelt. Sie brauchen eine vorherige ausdrückliche Einwilligung, die bei Erteilung dokumentiert und fünf Jahre aufbewahrt wird.[1][2] Ein Verbraucheranruf ohne diese Einwilligung ist zudem eine Ordnungswidrigkeit, wie die nächsten Abschnitte zeigen.

Für einen KI-Agenten gilt praktisch: Er darf Anrufe vorbereiten, die Nummer finden, den bisherigen Kontakt zusammenfassen und Gesprächspunkte vorschlagen. Eine Person entscheidet, ob der Grund für den Anruf stark genug ist, und eine Person ruft an.

Darf eine KI die Werbeanrufe selbst führen?

Eine KI, die selbst Werbeanrufe tätigt, ist der riskanteste Kanal. § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG verlangt für Werbung mit einer „automatischen Anrufmaschine“ eine vorherige ausdrückliche Einwilligung, von Unternehmen wie von Verbrauchern.[1] Die EU-Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation, die diese Regel umsetzt, beschreibt solche Geräte als „automated calling and communication systems without human intervention“.[6] Ein KI-Agent, der selbst Werbeanrufe führt, entspricht dieser Beschreibung sehr genau.

Das deutsche Gesetz sagt nicht ausdrücklich, ob ein moderner Sprachagent darunter fällt. Der Begriff stammt aus der Zeit der Bandansage-Automaten. Die EU-Formulierung stellt aber auf das fehlende menschliche Eingreifen ab, nicht auf die Technik, und genau das bietet ein selbstständiger Sprachagent.[6]

Die vorsichtige Lesart hat eine praktische Folge. Wenn ein KI-Anruf als automatische Anrufmaschine gilt, hilft die mutmaßliche Einwilligung nicht mehr, die einen B2B-Anruf durch eine Person zulässig macht. Sie brauchen die vorherige ausdrückliche Einwilligung des angerufenen Unternehmens.[1] Gegenüber Verbrauchern ist ein unzulässiger automatisierter Werbeanruf eine Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern bis zu 300.000 Euro.[3]

Eingehende Anrufe sind etwas anderes. Eine KI, die Ihr Telefon annimmt, wenn Kunden Sie anrufen, bewirbt niemanden, der nicht gefragt hat. Das Risiko liegt bei ausgehenden Werbeanrufen.

Bis ein Gericht die Frage klärt, behandeln Sie eine KI, die Interessenten anwählt, wie jeden automatisierten Werbeanruf: nur bei Personen, die ausdrücklich eingewilligt haben, mit dokumentierter Einwilligung.

Ist Akquise über LinkedIn durch eine KI erlaubt?

Nicht als Automatisierung auf LinkedIn selbst. Die LinkedIn-Nutzervereinbarung, gültig seit dem 3. November 2025, verbietet, „bots or other unauthorized automated methods to access the Services, add or download contacts, send or redirect messages“ zu nutzen und Profile per Software auszulesen oder zu kopieren.[8] Ein Vertriebsagent, der sich einloggt und Menschen für Sie anschreibt, verstößt gegen diese Bedingungen, und das Konto ist in Gefahr.

Das Recht fügt eine zweite Ebene hinzu. Die EU-Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation definiert elektronische Post als „any text, voice, sound or image message sent over a public communications network“, die gespeichert werden kann, bis der Empfänger sie abruft.[6] Eine Werbe-Direktnachricht kann unter diese Definition fallen und damit unter dieselbe Einwilligungsregel wie E-Mail. Das deutsche Recht sagt nicht ausdrücklich, ob Plattformnachrichten dazugehören, also ist es sicher, eine werbliche erste Nachricht auf LinkedIn wie eine Kaltakquise-E-Mail zu behandeln.

Ein KI-Agent kann trotzdem helfen:

  • Recherche. Er arbeitet mit Informationen, die Sie nutzen dürfen, etwa Unternehmenswebsites und öffentlichen Mitteilungen, und bereitet zu jedem Interessenten eine kurze Übersicht vor.
  • Entwurf. Er schreibt eine erste Nachricht, die auf etwas Konkretes und Relevantes eingeht, zur Prüfung durch eine Person.
  • Versand. Eine Person sendet aus ihrem eigenen Konto, nachdem sie entschieden hat, dass der Kontakt passt.

Kontaktanfragen, Kommentare und Gespräche, die andere mit Ihnen beginnen, sind normale Nutzung. Die Grenze ist überschritten, wenn Software selbstständig Werbenachrichten sendet oder Profile massenhaft kopiert.

Woher darf Ihr Agent Kontaktdaten beziehen, und was muss er mitteilen?

Kontaktdaten müssen aus einer rechtmäßigen Quelle stammen, und Personen, deren Daten Sie nicht bei ihnen selbst erhoben haben, müssen erfahren, woher sie stammen. Nach Artikel 14 DSGVO müssen Sie sie spätestens mit der ersten Nachricht informieren, und die deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden setzen eine äußerste Frist von einem Monat nach Erhalt der Daten.[7][5]

Artikel 14 verlangt mehr als einen Link. Die Personen müssen erfahren, wer Sie sind, wofür Sie ihre Daten verarbeiten, aus welcher Quelle sie stammen und ob sie aus öffentlich zugänglichen Quellen kommen, und dass sie der Direktwerbung widersprechen können.[7] Wenn diese Information mit der ersten Werbenachricht kommt, wollen die deutschen Behörden sie klar vom Werbetext getrennt, mit hervorgehobenem Widerspruchsrecht.[5]

Für einen KI-Agenten zählt die Datenquelle auf drei Arten:

  • Ausgelesene Listen. Die Bedingungen von LinkedIn verbieten das Auslesen von Profilen, also beginnt eine so erstellte Liste mit einem Vertragsbruch.[8]
  • Gekaufte Listen. Eine gekaufte Liste bringt nicht die Einwilligung mit, die § 7 UWG für E-Mails verlangt. Fragen Sie den Verkäufer genau, wozu die Personen auf der Liste eingewilligt haben, und bewahren Sie die Antwort auf.
  • Öffentliche Unternehmensdaten. Die allgemeine Adresse eines Unternehmens, veröffentlichte Kontakte und Pressemitteilungen können in die Recherche einfließen. Eine Einwilligung in Werbe-E-Mails entsteht dadurch nicht.

Der Agent sollte zu jedem Kontakt festhalten, woher die Daten stammen und auf welcher Grundlage sie genutzt werden dürfen. Diese eine Spalte beantwortet die meisten Fragen, die eine Behörde, der Anwalt eines Wettbewerbers oder der Empfänger stellen wird. Unser Leitfaden zur DSGVO für KI-Agenten behandelt die weiteren Datenschutzpflichten.

Was passiert, wenn jemand widerspricht?

Ein Widerspruch muss jede Werbenachricht stoppen, in jedem System, sofort. Nach Artikel 21 DSGVO kann eine Person der Direktwerbung jederzeit widersprechen, und ihre Daten werden dann „nicht mehr für diese Zwecke verarbeitet“.[7] Im Oktober 2026 meldete die italienische Datenschutzbehörde ein Bußgeld von 5.508.000 Euro gegen die Bank BBVA, weil der Widerspruch eines Kunden nie das System erreichte, das die Werbung verschickte.[10]

Der Fall BBVA ist eine Warnung für alle, die einen KI-Agenten neben anderen Tools betreiben. Der Kunde widersprach in der App der Bank und erneut beim Kundenservice. BBVA erfasste den Widerspruch korrekt, aber „a technical failure prevented synchronisation“ zwischen den internen Systemen und der Einheit, die Werbenachrichten verschickte, und die Werbung lief von Oktober 2025 bis Mai 2026 weiter.[10] Die Behörde wies auch das Argument der Bank zurück, der Kunde hätte eine bestimmte E-Mail-Adresse nutzen sollen: Ein gültiger Widerspruch zählt, egal über welchen Kanal er ankommt.[10]

BBVA erfasste den Widerspruch des Kunden korrekt. Das Werbesystem erfuhr nie davon, und die Bank erhielt ein Bußgeld von 5,5 Millionen Euro.

Ein KI-Vertriebsagent ist eine weitere Stelle, an der ein Widerspruch ankommen muss. Er arbeitet mit einer Liste, entwirft Nachfassnachrichten und plant Sequenzen womöglich Wochen im Voraus. Wenn eine Abmeldung Ihr CRM erreicht, aber nicht die Liste des Agenten, schreibt der Agent weiter.

Drei Regeln halten das im Griff:

  • Eine Sperrliste. Jedes System, das etwas Werbliches verschickt, prüft vor jedem Versand dieselbe Liste.
  • Jeder Kanal zählt. „Bitte keine Nachrichten mehr“ in einer Antwort-E-Mail, am Telefon oder in einer LinkedIn-Nachricht ist ein Widerspruch. Der Agent sollte ihn erkennen und erfassen.
  • Sequenzen sofort stoppen. Geplante Nachfassnachrichten an diese Person werden gestrichen, nicht auslaufen gelassen.

Was müssen Sie dokumentieren?

Sie müssen für jeden Kontakt, den Sie bewerben, die Einwilligung oder den Bestandskundenstatus nachweisen können. Für Telefonwerbung bei Verbrauchern verlangt § 7a UWG, die Einwilligung bei Erteilung „in angemessener Form“ zu dokumentieren und fünf Jahre aufzubewahren, und 2025 sanktionierte die Bundesnetzagentur erstmals fehlende Einwilligungsnachweise.[2][9]

Die formale Pflicht aus § 7a betrifft die Telefon-Einwilligung von Verbrauchern. Der praktische Bedarf ist breiter. Wenn ein Wettbewerber oder ein Wirtschaftsverband eine E-Mail-Kampagne angreift oder ein Empfänger sich bei einer Datenschutzbehörde beschwert, lautet die Frage immer gleich: Zeigen Sie die Einwilligung oder die Kundenbeziehung.[4][5]

Für einen KI-Agenten sollte die Dokumentation Teil der Routine sein, kein Nachgedanke:

1

Herkunft festhalten

Speichern Sie zu jedem Kontakt, woher die Daten stammen und seit wann.
2

Grundlage festhalten

Speichern Sie die Einwilligung (mit Datum, Wortlaut und Kanal) oder den Kauf, der den Kontakt zum Bestandskunden macht.
3

Vor jedem Versand prüfen

Der Agent prüft vor jeder Werbenachricht Einwilligung oder Kundenstatus und die Sperrliste.
4

Versand protokollieren

Bewahren Sie eine Kopie jeder Nachricht auf, mit Datum, Kanal und wer sie freigegeben hat.
5

Fünf Jahre aufbewahren

Bewahren Sie Einwilligungsnachweise fünf Jahre ab Erteilung und nach jeder Verwendung auf, wie § 7a es für Telefon-Einwilligungen von Verbrauchern verlangt.

Die Checkliste enthält diese Schritte mit den Kanalregeln: Checkliste für die Akquise mit KI herunterladen (PDF).

Muss der Agent sagen, dass er eine KI ist?

Wenn der Agent direkt mit Menschen spricht, ja. Artikel 50 der KI-Verordnung, anwendbar seit dem 2. August 2026, verlangt, dass KI-Systeme, die direkt mit Menschen interagieren, so gestaltet sind, dass diese von Beginn an informiert werden, sofern es nicht offensichtlich ist.[11] Eine KI, die Interessenten anruft, auf Ihrer Website chattet oder in eigenem Namen auf Antworten reagiert, interagiert direkt. Verstöße gegen Artikel 50 können mit bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des Umsatzes geahndet werden, bei kleinen Unternehmen mit dem niedrigeren Betrag.[12]

Eine E-Mail, die eine KI entworfen hat und eine Person unter ihrem eigenen Namen verschickt, ist ein anderer Fall. Die Person kommuniziert; die KI hat beim Schreiben geholfen. Die Pflicht aus Artikel 50 zur direkten Interaktion zielt auf Systeme, die selbst mit Menschen interagieren, etwa Chatbots und KI-Agenten.[11]

Die Grauzone ist ein Agent, der selbstständig einen E-Mail-Austausch führt und Interessenten antwortet, ohne dass eine Person vorher liest. Das sieht nach direkter Interaktion aus. Wenn Sie einen Agenten so betreiben, sagen Sie es in der Signatur, etwa „Diese Antwort wurde von unserem KI-Assistenten verfasst“.

Offenheit über KI hat auch einen geschäftlichen Vorteil. Ein Interessent, der später erfährt, dass der „persönliche“ Austausch automatisiert war, vertraut Ihnen weniger als einer, der es von Anfang an wusste. Unser Leitfaden dazu, was der EU AI Act von Betreibern verlangt, behandelt Artikel 50 ausführlicher.

Welche Bußgelder drohen, und wer setzt sie durch?

Unerlaubte Werbeanrufe und automatisierte Anrufe bei Verbrauchern können nach § 20 UWG mit bis zu 300.000 Euro geahndet werden, fehlende Einwilligungsnachweise mit bis zu 50.000 Euro, zuständig ist die Bundesnetzagentur.[3] 2025 erhielt die Behörde 39.842 schriftliche Beschwerden über unerlaubte Telefonwerbung, führte 13 große Bußgeldverfahren und verhängte Bußgelder von mehr als 1,099 Millionen Euro.[9]

VerstoßFolgeWer handelt
Werbeanruf oder automatisierter Anruf bei Verbrauchern ohne ausdrückliche EinwilligungBußgeld bis 300.000 Euro (§ 20 UWG)[3]Bundesnetzagentur
Fehlende oder lückenhafte Einwilligungsnachweise für Telefonwerbung bei VerbrauchernBußgeld bis 50.000 Euro (§ 20 UWG)[3]Bundesnetzagentur
Kaltakquise-E-Mail oder Anruf bei Unternehmen ohne EinwilligungUnterlassung und Abmahnung (§ 8 UWG)[4]Wettbewerber, Wirtschaftsverbände, IHK, Handwerkskammer
Widerspruch missachtet, fehlende Information nach Artikel 14DSGVO-Bußgeld; BBVA: 5.508.000 Euro in Italien[10]Datenschutzbehörde
KI bei direkter Interaktion nicht offengelegtBis 15 Mio. Euro oder 3 %, bei KMU der niedrigere Betrag (Artikel 99)[12]Marktüberwachungsbehörde nach KI-Verordnung

Bei B2B-Akquise ist das häufigere Risiko nicht eine Behörde, sondern ein Wettbewerber oder ein Verband. Nach § 8 UWG können sie Unterlassung verlangen, und der Anspruch besteht bereits, wenn ein Verstoß „droht“.[4] Eine Abmahnung kommt meist mit der Forderung nach einer unterschriebenen Unterlassungserklärung und Anwaltskosten.

Die Zahlen der Bundesnetzagentur für 2025 zeigen auch, wohin die Durchsetzung geht: Erstmals sanktionierte die Behörde Unternehmen wegen fehlender Einwilligungsnachweise.[9] Für das größere Bild der KI-bezogenen Bußgelder in Europa siehe unsere Übersicht der KI-Bußgelder in Europa.

Was darf ein Vertriebsagent allein tun, und was braucht eine Person?

Ein Vertriebsagent darf Recherche, Entwürfe und Nachfassen allein erledigen, innerhalb der Einwilligungs- und Kundenlisten. Eine Person sollte jeden Erstkontakt mit jemandem freigeben, der kein Bestandskunde ist, jeden ausgehenden Anruf und alles, was über LinkedIn geht. Diese Aufteilung folgt direkt aus § 7 UWG, den LinkedIn-Bedingungen vom 3. November 2025 und den Widerspruchsregeln der DSGVO.[1][8][7]

Ein Raster aus vier Kanälen (E-Mail, Anruf durch eine Person, KI-Anruf, LinkedIn-Nachricht) gegen zwei Gruppen (Bestandskunden, neue Geschäftskontakte). E-Mail an Bestandskunden und Anrufe durch eine Person mit konkretem Grund sind als erlaubt markiert; E-Mail an neue Kontakte und KI-Anrufe als erst
Under German law the channel and the relationship decide what an agent may send, not the quality of the message
AufgabeAgent alleinPerson gibt frei
Unternehmen und Kontakte aus rechtmäßigen Quellen recherchierenJa
Erste Nachrichten und Gesprächsnotizen entwerfenJa
Bestandskunden nach § 7 Abs. 3 UWG mit Abmeldemöglichkeit anschreibenJa
Kontakte mit dokumentierter Einwilligung anschreibenJa
Erste E-Mail an einen neuen Kontakt ohne EinwilligungNicht senden
Anruf bei einem UnternehmenNur vorbereitenPerson entscheidet und ruft an
Ausgehender KI-AnrufNur mit dokumentierter ausdrücklicher Einwilligung
LinkedIn-NachrichtNur entwerfenPerson sendet aus eigenem Konto
Widersprüche bearbeiten und Sequenzen stoppenJa, sofort

So bauen wir Vertriebsagenten: Der Agent erledigt die Arbeit, die Stunden kostet, und eine Person verbringt Minuten mit den Entscheidungen, die das Gesetz ihr zuweist. Unser Leitfaden zu Freigabe-Workflows in einem KI-Agenten-System zeigt, wie der Freigabeschritt in der Praxis funktioniert, und was ein KI-Agent zur Leadgenerierung tut beschreibt die Vertriebsaufgabe selbst. Wenn Ihr Prozess in kein Standardwerkzeug passt, kann ein individueller Agent um Ihre Listen und Kanäle herum gebaut werden.

Häufig gestellte Fragen

Ist Kaltakquise per E-Mail im B2B in Deutschland erlaubt? Nicht ohne Einwilligung. § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG wertet Werbung per elektronischer Post ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung des Adressaten als unzumutbare Belästigung, und das gilt für Unternehmen wie für Verbraucher. Die Ausnahme sind Bestandskunden: Nach § 7 Abs. 3 UWG dürfen Sie ihnen eigene ähnliche Produkte per E-Mail anbieten, wenn sie auf ihr Widerspruchsrecht hingewiesen wurden und nicht widersprochen haben.

Darf ich Unternehmen in Deutschland kalt anrufen? Nur mit mindestens mutmaßlicher Einwilligung. § 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG erlaubt Werbeanrufe bei Unternehmen, wenn Sie annehmen dürfen, dass das Unternehmen einverstanden wäre. Die deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden sagen unter Verweis auf den Bundesgerichtshof, dass ein bloßer Sachbezug nicht reicht; nötig ist ein konkreter Grund aus dem Interessenbereich des Angerufenen, etwa ein geschäftlicher Vorkontakt.

Ist Kaltakquise mit KI-Anrufen in Deutschland erlaubt? Es ist der riskanteste Kanal. § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG verlangt für Werbung mit einer automatischen Anrufmaschine eine vorherige ausdrückliche Einwilligung, auch von Unternehmen, und die EU-Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation beschreibt automatische Anrufmaschinen als Systeme, die ohne menschliches Eingreifen anrufen. Ein KI-Agent, der selbst Werbeanrufe tätigt, kann darunter fallen. Anrufe bei Verbrauchern ohne ausdrückliche Einwilligung können mit bis zu 300.000 Euro geahndet werden.

Darf ein KI-Agent LinkedIn-Nachrichten für meinen Vertrieb senden? Die LinkedIn-Nutzervereinbarung, gültig seit dem 3. November 2025, verbietet Bots und andere nicht autorisierte automatisierte Methoden zum Senden von Nachrichten oder Hinzufügen von Kontakten sowie das Auslesen von Profilen. Eine Werbenachricht kann zudem unter die EU-Definition elektronischer Post fallen. Lassen Sie den Agenten recherchieren und entwerfen, und eine Person sendet aus ihrem eigenen Konto.

Quellen

  1. Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), § 7 Unzumutbare Belästigungen, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  2. UWG, § 7a Einwilligung in Telefonwerbung, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  3. UWG, § 20 Bußgeldvorschriften, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  4. UWG, § 8 Beseitigung und Unterlassung, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  5. Datenschutzkonferenz, Orientierungshilfe der Aufsichtsbehörden zur Verarbeitung von personenbezogenen Daten für Zwecke der Direktwerbung, Februar 2022, abgerufen am 15. Oktober 2026. Verwendet für den Zusammenhang zwischen § 7 UWG und berechtigtem Interesse, die E-Mail-Einwilligung, B2B-Anrufe (unter Verweis auf BGH, 16. November 2006, I ZR 191/03), die Nachweispflicht für Bestandskunden und den Zeitpunkt der Information nach Artikel 14.
  6. Richtlinie 2002/58/EG (Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation), konsolidierte Fassung, Artikel 2 Buchstabe h und 13 Absatz 1, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  7. Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Erwägungsgrund 47, Artikel 14 und 21, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  8. LinkedIn-Nutzervereinbarung, gültig seit dem 3. November 2025, Abschnitt 8.2, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  9. Bundesnetzagentur, Pressemitteilung zur unerlaubten Telefonwerbung 2025, 26. Januar 2026, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  10. Europäischer Datenschutzausschuss, Italian DPA fines BBVA EUR 5 508 000 for failing to respect a customer's objection to direct marketing, 9. Oktober 2026 (Entscheidung vom 3. Juli 2026), abgerufen am 15. Oktober 2026.
  11. Europäische Kommission, Transparency obligations under Article 50 AI Act (FAQ), zuletzt aktualisiert am 24. Juli 2026, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  12. AI Act Service Desk, Artikel 99: Sanktionen, konsolidierte Fassung vom 27. Juli 2026, abgerufen am 15. Oktober 2026.